Hochenergetische Strahlung aus aktiven Galaxien

Neues Rätsel um kosmische Leuchttürme

Die simultane Beobachtung des kosmischen Leuchtfeuers eines aktiven Galaxienkerns in verschiedenen Strahlungsbereichen liefert überraschende Ergebnisse über die Natur so genannter Blazare.
Im Herzen einer Aktiven Galaxie fällt Materie in ein supermassereiches Schwarzes Loch. Dabei werden Jets aus Teilchen erzeugt, deren Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit liegen. Aktive Galaxien, deren Jet in Richtung Erde zeigt, werden als Blazare bezeichnet.

Im Herzen einer Aktiven Galaxie fällt Materie in ein supermassereiches Schwarzes Loch. Dabei werden Jets aus Teilchen erzeugt, deren Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit liegen. Aktive Galaxien, deren Jet in Richtung Erde zeigt, werden als Blazare bezeichnet.

Das Rätsel der Blazare

Ein internationales Astronomenteam hat erstmals einen so genannten Blazar simultan im optischen, im Röntgen- und im hochenergetischen Gamma-Strahlungsbereich beobachtet. Dabei zeigte sich, dass sich das kosmische Leuchtfeuer im ruhigen und im aktiven Zustand ganz unterschiedlich verhält. Im Rahmen der bisherigen Theorien für die Strahlungserzeugung der Blazare seien diese Beobachtungen nicht zu erklären, schreiben die Forscher in einem an das Fachblatt "Astrophysical Journal" eingeschickten Bericht.


"Wir lernen daraus, das die verschiedenen Bestandteile eines Blazars auf komplizierte Art und Weise zusammenwirken, um die von uns beobachtete Strahlung zu erzeugen", erklärt Jim Chiang von der Stanford University in Kalifornien, einer der beteiligten Astronomen. "Diese Beobachtungen liefern uns erste Hinweise darauf, was tief im Herzen eines Blazars vor sich geht."


Blazare sind extrem leuchtkräftige Kerne von Galaxien. Sie erzeugen ihre Strahlung durch den Einfall von Materie in supermassive Schwarze Löcher.
Ein Teil der Materie wird in zwei so genannten Jets eng gebündelt mit nahezu Lichtgeschwindigkeit wieder ins All katapultiert. Bei Blazaren weist einer dieser Jets nahezu exakt auf die Erde.


Chiang und seine Kollegen haben den 1,5 Milliarden Lichtjahre entfernten Blazar PKS 2155-304 mit optischen Teleskopen, mit den Röntgensatelliten Swift und Rossi, mit dem neuen Gamma-Satelliten Fermi, sowie mit der Teleskop-Anlage HESS in Namibia beobachtet, die speziell dem Nachweis hochenergetischer Gammastrahlung dient. Dabei zeigte sich, dass in aktiven Phasen des Blazars die Intensität in allen Wellenlängenbereichen quasi im Gleichschritt verläuft, in ruhigen Phasen dagegen nicht. Ein solches Verhalten können die bisherigen Modelle für Blazare nicht erklären.

Rainer Kayser arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist in Hamburg.

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