Ungewöhnliche Materiewolke

Kalter Kern in dunkler Wolke

In einer 23.000 Lichtjahre entfernten Gaswolke sind US-Astronomen auf eine ungewöhnlich massereiche und kalte Verdichtung gestoßen. Der Wolkenkern enthält rund 120 Sonnenmassen bei einer Temperatur, die nur 18 Grad über dem absoluten Nullpunkt liegt.
Ein dunkles Band zieht sich durch diese Infrarot-Falschfarbenaufnahme eines kleinen Ausschnitts der Milchstraße. In den in diesem Infrarotbild sichtbaren Dunkelwolken können junge Sterne in Gruppen ganz neu entstehen wie beispielsweise das Sternentstehungsgebiet oben rechts im Bild.

Ein dunkles Band zieht sich durch diese Infrarot-Falschfarbenaufnahme eines kleinen Ausschnitts der Milchstraße. In den in diesem Infrarotbild sichtbaren Dunkelwolken können junge Sterne in Gruppen ganz neu entstehen wie beispielsweise das Sternentstehungsgebiet oben rechts im Bild.

Die Forscher, die ihre Beobachtungen auf einer Tagung der American Astronomical Society in Pasadena präsentiert haben, vermuten, dass aus der Verdichtung ein oder mehrere massereiche Sterne entstehen. Es wäre das erste Mal, dass Astronomen die Vorstufe von Sternen aufgespürt
hätten, die erheblich massereicher sind als unsere Sonne.

"Die Masse und die Dichte dieses Objekts, sowie die Abwesenheit von Hinweisen darauf, dass dort bereits Sterne entstehen, passen sehr gut zu unseren Erwartung über massereiche prä-stellare Kerne", erklärt Jonathan Swift von der University of Hawaii. Swift und seine Kollegen hatten die kühle Gaswolke mit dem Submillimeter Array, einer aus acht Antennen bestehenden Teleskop-Anlage auf dem Mauna Kea auf Hawaii, beobachtet. Die zwischen dem Infrarot- und dem Radiobereich liegende
Submillimeterstrahlung eignet sich besonders gut zur Untersuchung der kühlsten Regionen im Kosmos.

Sterne wie unsere Sonne entstehen durch den Kollaps dichter Regionen in kühlen Gaswolken. Ob auch massereiche Sterne, die mehr als die achtfache Masse unserer Sonne enthalten, auf diese Weise entstehen, ist jedoch bislang unklar. Damit solche großen Sterne entstehen können, müssten sich kühle Kernregionen ausbilden, in denen mehr als hundert Sonnenmassen in einer Region konzentriert sind, die weniger als das 20.000-fache der Erdbahn durchmessen.

Diese Bedingungen treffen auf die von Swift und seinen Kollegen entdeckte Verdichtung zu - und es gibt zudem keinerlei Anzeichen dafür, dass sich in dem Kern kleinere Sterne bilden. "Wir wissen jetzt also, dass derart massereiche und dichte Kerne ohne Sternentstehung existieren", freut sich Swift. Der Wissenschaftler schätzt, dass sich in dem kalten Kern der Gaswolke innerhalb von 50.000 Jahren ein oder mehrere massereiche Sterne bilden.

Dr. Rainer Kayser ist freier Wissenschaftsjournalist in Hamburg.
Bilder zum Artikel

Suchen
Die neue Redshift-Generation

Solar Eclipse by Redshift

Sonnenfinsternis by Redshift für iOS

Die Sonnenfinsternis am 21. August 2017 beobachten, verstehen und bestaunen! » mehr

Solar Eclipse by Redshift

Sonnenfinsternis by Redshift für Android

Die Sonnenfinsternis am 21. August 2017 beobachten, verstehen und bestaunen! » mehr